BDH-Aktuell



Neurologische Klinik Hessisch Oldendorf kämpft um Erhalt der Arbeitsplätze

Belegschaft beweist Solidarität

Dank des geschlossenen Einstehens Aller hat die Neurologische Klinik Hessisch Oldendorf eine schwierige finanziel le Phase gemeistert. Durch den Verzicht der Mitarbeiter auf das Weihnachtsgeld konnten betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden. Das schafft Stabilität bis zum Frühjahr 2006.

Neurol. Klinik Hess. OldendorfEntlassungen in Hessisch Oldendorf – für den BDH-Vorsitzenden Alfred Rudolf eine unannehmbare Vorstellung. Mit großem persönlichem Einsatz kämpfte er um den Erhalt der Arbeitsplätze in dieser strukturschwachen Region. Zusammen mit der Klinikleitung, dem Betriebsrat und der Geschäftsführung in Bonn warb er in vielen Gesprächen und bei einer Betriebsversammlung vor Ort für die jetzt gefundene Lösung.

Die 450 Beschäftigten sind seit längerem schon in gedrückter Stimmung. Gehaltsverzicht stand auch schon im vorigen Jahr im Raum. Die Budgetierung und die Nullrunde im Klinik-Gesundheitswesen haben das 250-Betten-Haus in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht. Die renommierte Fachklinik betreut immer mehr schwer Kranke der Behandlungsstufe B, die in einem immer stärkeren Maße pflegebedürftige sind. Und dies bei gleichbleibender Kostenerstattung durch die Kostenträger.

Der Ärztliche Direktor, Dr. Jens Rollnik, und Verwaltungsdirektor Uwe Janosch versuchen, die Klinik in ihrem Leistungsspektrum breiter aufzustellen. So ist Hessisch Oldendorf Akademisches Lehrkrankenhaus der Hochschule Hannover. Die Klinik präsentiert sich in der Region zudem als „Akut“-Krankenhaus für Patienten mit Schlaganfall und anderen neurologischen Erkrankungen. Der neue Mix soll sich positiv auf die Einnahmen- und Ausgabenseite auswirken. Die so genannte Stroke Unit ist das jüngste Angebot einer Klinik, die nicht nur innerhalb des BDH, sondern in ganz Deutschland einen vorzüglichen Ruf genießt.

Daher brachte die Nachricht von der finanziellen Schräglage des Hauses für die Beschäftigten ein böses Erwachen. Entsprechend ungläubig verfolgten sie in der Betriebsversammlung dem Vortrag eines unabhängigen Steuerberaters, der Schaubild für Schaubild die wirtschaftliche Situation deutlich machte. Die Einnahmen aus den guten Jahren sind immer wieder reinvestiert worden, um auf gleicher Höhe mit dem medizinischen Fortschritt bleiben zu können. Doch nun stehen schon im zweiten Jahr in Folge unterm Strich rote Zahlen.

Was dies für Konsequenzen hat, erläuterten BDH-Geschäftsführer Josef Bauer und Vorsitzender Alfred Rudolf in der insgesamt sehr sachlich verlaufenen Betriebsversammlung. Betriebsratsvorsitzender Manfred Dressler und seine Kollegen von der Arbeitnehmervertretung hatten schon Wochen vorher damit begonnen, die Belegschaft auf das wenig erfreuliche Szenario einzustimmen: Entweder verzichten Mitarbeiter auf das 13. Monatsgehalt in diesem Jahr und bekommen dafür eine Arbeitsplatzgarantie bis Frühjahr 2006, oder rund 40 Beschäftigte müssen um ihre Stelle fürchten. Eine bittere Wahl.

Die Arbeitgeberseite wollte ein klares Votum der Belegschaft: Wenn sich 80 Prozent für den Gehaltsverzicht aussprechen, gibt es zunächst keine Entlassungen. So lautete die Marschrichtung.

Die Entscheidung hat sich niemand leicht gemacht. 83 Prozent stimmten schließlich zu. „Ich bin sehr erleichtert, dass wir niemandem kündigen müssen“, sagte BDH-Vorsitzender Rudolf, der auch zufrieden ist mit der gezeigten Solidarität der Belegschaft. Für Verwaltungschef Janosch bringt die Entscheidung eine "positive Stabilisierung", die wichtig sei für das weitere Vorgehen. Ende dieses Jahres werden sich alle Seiten wieder zusammensetzen, um die wirtschaftliche Situation neuerlich zu begutachten. (aw)




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