Editorial



Andrea WohlfartMehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Fast die Hälfte von ihnen wird ausschließlich von den eigenen Angehörigen zu Hause versorgt. Das sind Zahlen, die gleichermaßen beeindrucken wie nachdenklich stimmen. Gesunde und nicht Betroffene machen sich meist keine Vorstellung davon, was für eine aufopferungsvolle, bewundernswerte Arbeit hier geleistet wird. Tag für Tag. Im Stillen.

Und dies zumeist von Frauen, denn Töchter, Schwiegertöchter, Enkelinnen oder Nichten stellen die übergroße Mehrheit unter den Pflegelaien. Sie übernehmen die heimische Pflege, oft ohne an die eigene Person, an die eigenen Bedürfnisse zu denken. Sie empfinden dies oft auch gar nicht als „Opfer“.

Dennoch: Die Zahl derjenigen, die unter den Anforderungen der Pflege von Angehörigen – psychisch wie physisch – leiden und selbst krank werden, steigt. Vor dem Burnout-Syndrom, vor dem Ausgebranntsein, warnen die Experten. Sie raten jedem, der einen Angehörigen pflegt, von vornherein darauf zu achten, sich nicht zu übernehmen. Denn ohne Pausen ist die Mammut-Aufgabe kaum zu bewältigen. Häufig reicht schon ein regelmäßiger, freier Nachmittag oder Abend. Das ist nicht nur für den Pflegenden wichtig. Indirekt helfen die Auszeiten auch dem betreuten Angehörigen. Wer sich gestresst und überlastet fühlt, ist unausgeglichen, unzufrieden und reagiert schnell aggressiv. In dieser Ausgabe des BDH-Kuriers geht es um die Pflege, um Hilfen für Angehörige, um Rat von Experten und um Denkanstöße. Aus Respekt vor der Leistung derjenigen, die sich um Hilfe Bedürftige sorgen und kümmern. Und um ihnen Hilfe zu geben.

Ihre Andrea Wohlfart



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