BDH-Aktuell



Neuer Sozialdienst gestartet

Große Personallücken im Pflegesektor

Pflegedienste und soziale Einrichtungen schlagen Alarm. Das vorläufige Ende des Zivildienstes hat eine außergewöhnlich große Personallücke hinterlassen. Zur schnellen Kompensation startete die Bundesregierung am 1. Juli 2011 den sog. Bundesfreiwilligendienst. Die Finanzierung des neuen sozialen Dienstes obliegt dem Bund. Das neue soziale Angebot wird von den Bundesländern administrativ begleitet und soll das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr ergänzen, die beide weiterhin existieren.

Doch bislang gelang es den Initiatoren bei weitem nicht, die etwa 35.000 offenen Stellen, die der neue Dienst bietet und deren Besetzung die Qualität der Pflegeleistungen in Alten- und Pflegeheimen, aber auch in anderen sozialen Einrichtungen, entscheidend mitbestimmt, adäquat zu besetzen. Bis zum August waren lediglich etwa 4.500 Stellen besetzt. Neben den Stellen des zivilen Freiwilligendienstes plant auch die Bundeswehr die Ausschreibung von bis zu 15.000 Stellen im Freiwilligenverhältnis. BDH-Bundesvorsitzende Ilse Müller sah die Probleme bereits vor Jahresfrist auf die Pflegeeinrichtungen zukommen und fordert von der Politik weiterhin offensive Imagekampagnen: „Die Bundesregierung sollte alles daran setzen, den Freiwilligendienst weiterhin aktiv zu bewerben und jungen Menschen die Chancen und Perspektiven aufzuzeigen, die der Berufsstart im Pflegesektor bietet. Wir alle arbeiten daran, den Standard in der täglichen Pflegepraxis hochzuhalten, weshalb es meiner Meinung nach Sinn macht, den BFD für junge Leute attraktiver zu gestalten.“ Der BDH rät daher zu einer Anrechnung der Dienstzeit auf die späteren Rentenleistungen und dazu, die Möglichkeit zu schaffen, sich gleichzeitig weiterzubilden. Dies sind wichtige Bausteine, einen attraktiven und zugleich karrierefördernden Freiwilligendienst in Deutschland zu verankern. Ziel muss es sein, den Bundesfreiwilligendienst so zu gestalten, dass er als echte Karrierechance wahrgenommen wird und im sozialen und ökologischen Bereich, in der Integration und Kultur geleistet werden kann. Auch der BDH bekundet in seiner Funktion als Klinikträger Interesse an der Übernahme von jungen Menschen, die ihren Freiwilligendienst im Klinikbereich antreten wollen.

Pflegeberufe

Pflegeberufe werden dem Nachwuchs in den kommenden Jahren große berufliche Chancen bieten.

Zivi

Zivis waren besonders bei der persönlichen Betreuung im Alltag unverzichtbar.



Hintergrund

Die Finanzierung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) übernimmt der Bund, der damit etwa 350 Mio. Euro zur Verfügung stellt. Die administrative Umsetzung erfolgt durch die jeweiligen Landesbehörden. Neu ist, dass auch Frauen in den freiwilligen Dienst eintreten können. Eine Altersgrenze besteht nicht, wobei die unter 27-Jährigen im BFD in Vollzeit arbeiten sollen, Freiwillige ab 27 Jahren sollten mindestens 20 Wochenstunden zur Verfügung stehen. Aktuell ist vorgesehen, eine einheitliche Obergrenze für die Aufwandsentschädigung des BFD in West und Ost in Höhe von 330 Euro umzusetzen. Die Freiwilligen sind sozialversichert. Außerdem werden Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung von den jeweiligen Institutionen übernommen. Der Freiwilligendienst wird durchschnittlich ein Jahr dauern. Es ist auch eine längere Verweildauer von bis zu zwei Jahren möglich. Die kürzeste Dienstzeit liegt bei einem halben Jahr.



Gesetzliche Regelung erleichtert Bahnreisen

Erleichterung für Menschen mit Schwerbehinderung

Ab dem 01. September 2011 entfällt die bislang geltende Begrenzung der „50-km-Regelung“ im Nahverkehr. Für 1,4 Millionen freifahrtberechtigte schwerbehinderte Menschen werden dann Freifahrten in Nahverkehrszügen im gesamten Bundesgebiet möglich.

Die Wertmarke bleibt in der alten Form bestehen und gilt dann bundesweit im Nahverkehr. Die neue Regelung bringt Erleichterung, denn spezielle Fahrscheine, ergänzend zum Schwerbehinderten-Ausweis, werden nicht länger benötigt. Der Wegfall der 50-km-Regelung beseitigt auch das bekannte Streckenverzeichnis und erleichtert behinderten Menschen das Reisen. Die Wertmarke mit Beiblatt ist beim jeweiligen Amt für Gesundheit und Versorgung auf Antrag erhältlich. Sie muss bei der Beförderung stets mitgeführt werden. Der Preis für die Wertmarke liegt unverändert für ein halbes Jahr bei 30 EUR und für ein ganzes Jahr bei 60 EUR. Der Geltungsbereich bezieht sich auf die Nah-Verkehrszüge:

RB = Regionalbahn, RE = Regionalexpress, IRE = Interregio-Express und S-Bahnen. Die Regelung gilt für Fahrten in der 2. Klasse.

Die gültigen Regelungen für Begleitpersonen, die Mitnahme eines Hundes und für kostenfreie Platzreservierungen bleiben von den Änderungen unberührt. Schwerbehinderte Personen, die Arbeitslosenhilfe oder Leistungen für den Lebensunterhalt beziehen oder die Merkzeichen "H" (hilflos) und "Bl" (blind, hochgradig sehbehindert) im Schwerbehindertenausweis haben, erhalten die Wertmarke kostenlos.

Erfahren Sie mehr im Internet: www.bahn.de/p/view/service/barrierefrei/uebersicht.shtml


Auszeichnung

Hermann Auth erhielt die Fuldaer Rose

Soziale Netzwerke werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Menschen müssen wieder enger zusammenrücken und sich gemeinsam den Problemen und Hürden des Alltags zuwenden. Soweit die Theorie.

Doch wer übernimmt diese Vernetzung der Menschen untereinander? Wer stellt sich tagtäglich den Problemen älterer oder behinderter Menschen und fördert die Interessen Betroffener? Dies sind die klassischen Aufgaben des BDH. Der Kreisverband in Fulda feierte kürzlich sein 60-jähriges Bestehen. Mit inzwischen 786 Mitgliedern übernimmt der BDH in Fulda eine stetig wachsende soziale Verantwortung und zeigt vor Ort facettenreich und kreativ wie eine zukunftsweisende Verbandsarbeit aussehen kann.

Fuldaer Rose für Hermann Auth

Seit elf Jahren ist Hermann Auth, Vorsitzender des Kreisverbandes, im BDH in Fulda engagiert. Der 72-Jährige, der vor zwei Jahren die Nachfolge seines langjährigen, außerordentliche erfolgreichen Vorgängers Alfred Loth antrat, stiftet vielen Mitgliedern Identität und Lebensfreude. Im Kampf für die Interessen der BDH-Mitglieder gönnt sich Hermann Auth nur selten eine Pause: „Man kann den erlebten Tag nicht einfach mit den Kleidern abends ausziehen. Was wir erfahren, mit welchen Schicksalsschlägen Menschen zu kämpfen haben, das geht unter die Haut“, erläutert er. Kürzlich erhielt Hermann Auth für seine großen Verdienste und ehrenamtlichen Tätigkeiten, anlässlich des „Marktes der Möglichkeiten“ im Maritim-Hotel die Fuldaer Rose. Verliehen wurde die Auszeichnung, die besonderes soziales Engagement würdigt, vom Fuldaer SPD-Stadtverband. Hermann Auth ist damit einer der wenigen Träger des Ehrenamtspreises für Zivilcourage.

Preisübergane

Verleihung des Ehrenamtspreises: Edith Bing vom SPD-Stadtverbandsvorstand, Preisträger Hermann Auth, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Thomas Spies, und SPD-Fraktionsvorsitzender Bernhard Lindner.



BDH in München geht aktiv auf Bürger zu

Altersarmut, Einsamkeit. Begriffe aus dem Alltag der Deutschen. Großstädte fördern die Isolation, gerade im Alter. Doch wer wünscht sich nicht gerade dann ein stabiles soziales Umfeld, persönlichen Halt und Ansprache, die Zutaten für einen erfüllten Alltag?

Im Laufe eines Lebens geht dies alles, zumeist berufsbedingt, verloren. Doch wie baut man sich im Alter ein neues soziales Umfeld auf? Der BDH bietet in über 140 Kreisverbänden ein aktives Verbandsleben. Mitglieder, Freunde und Verwandte arbeiten daran, Menschen in schwieriger Lebenslage, sei es nun aufgrund einer Behinderung oder im Zuge chronischer Erkrankung, ein erfülltes Leben in einem aktiven sozialen Netzwerk zu bieten.

Nun ist auch in München wieder frischer Wind eingekehrt. Herr Zidek, selber seit vielen Jahren aktives Mitglied des BDH, rief den zuletzt ruhenden Kreisverband in München wieder ins Leben: „Wir stehen als Anlaufstelle allen Interessierten im Großraum München beratend zur Seite. Unser Ziel ist es, in München ein aktives Verbandsleben im BDH aufzubauen, wie es vor einiger Zeit der Fall war. Das Potenzial ist enorm!“ Zidek hat allen Grund, optimistisch zu sein, leben doch immer mehr Senioren in München, die soziale Kontakte suchen. Eine kulturelle Metropole wie die bayerische Landeshauptstadt mit ihren unzähligen Ausflugszielen und Aktivitäten ist geradezu prädestiniert, ein spannendes und vielfältiges Verbandsleben zu führen, das allen Abwechslung, Unterhaltung und Halt gibt, wenn es im Leben einmal schwierig wird.


Meinung der Bürger gefragt

Antragsverfahren in der Pflege auf dem Prüfstand

Unsere Gesellschaft steht vor großen demografischen Umwälzungen. Über zwei Millionen Menschen in Deutschland sind bereits heute pflegebedürftig. Qualität in der Pflege ist ein hohes Gut. Nun stehen die bürokratischen Hürden, die im Antragsprozess zu bewältigen sind, im Mittelpunkt der Umfrage des Statistischen Bundesamtes, das im Auftrag der Bundesregierung die Bürger in den Prozess einbezieht.

Statistisches Bundesamt

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden eröffnet mit der Bürgerbefragung den Dialog zur Verbesserung von Pflegeleistungen und Antragsverfahren.

Ziel ist es, die Antragsverfahren im Rahmen von Pflegeleistungen zu vereinfachen und Angehörige und Betroffene zu entlasten. Die Befragung eröffnet die Gelegenheit, die Erfahrungen der BDH-Kreisverbände in diesen Prozess einfließen zu lassen. Ihre Mitarbeit ist daher gefragt und nützlich. Im Fokus steht dabei die Frage, wie gesetzliche Leistungen schneller, einfacher und kostengünstiger gewährt werden können. Welchen Aufwand haben Angehörige, wenn sie für sich selbst oder ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder oder Freunde Anträge stellen? Ihre Erfahrungen können Sie im Rahmen eines Telefoninterviews oder im persönlichen Gespräch einbringen. Bei Interesse an einer Teilnahme an der Befragung, steht Ihnen das Statistische Bundesamt unter folgenden Kontaktdaten zur Verfügung:

Ihre Ansprechpartnerin ist Friederike Repp (0228-99-643 8731).

Für inhaltliche Fragen zum Projekt stehen Ihnen Eugenia Larjow (0228-99-643 8680) und Fabian Pingel (0228-99-643 8739) Rede und Antwort.

E-Mails senden Sie bitte an:

buerokratiekostenmessung@destatis.de

Die Befragung untersucht die folgenden Aspekte:

Feststellung der Pflegestufe

gesetzliche Betreuung

häusliche Krankenpflege

Heilmittel, Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel

wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Hilfe zur Pflege

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation

Befreiung von gesetzlichen Zuzahlungen für chronisch Kranke

Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen.

Pflegende Angehörige sind unverzichtbar, denn

    Sie pflegen über vier Millionen Menschen in Deutschland!

    Sie sind etwa 37 Stunden pro Woche im Einsatz – ohne Bezahlung!

    Sie entlasten den Pflegesektor jährlich um mehrere Milliarden Euro!

    Sie tragen damit im erheblichen Maße zur Stabilisierung der Pflegeversicherung bei!



Pflegestudium immer beliebter

Sehr gute Berufsaussichten für Absolventen

Einen neuen Studiengang will die Hochschule Ravensburg-Weingarten ab dem Wintersemester 2011/2012 anbieten: das ausbildungsintegrierte Bachelor-of-Arts-Studium „Pflege“. Die Hochschule, fünf Krankenhäuser der Region, die Gesundheitsakademie Bodensee-Oberschwaben und der Stifterverband Deutsche Wissenschaft arbeiten dabei eng zusammen.

Das in Baden-Württemberg einmalige Studienangebot soll im Wintersemester 2011/ 2012 starten und 30 Studienplätze mit drei Professuren anbieten. Zugang zum Studium bietet das Abitur oder die Fachhochschulreife. Ergänzend müssen Bewerber einen Ausbildungsvertrag bei einer der kooperierenden Kliniken vorweisen. Die praktische Erfahrung spielt bei der Ausbildung eine wichtige Rolle. In den ersten drei Jahren des Studiums wechseln sich praktische und theoretische Lehrinhalte ab. Im Anschluss folgen die Prüfung und Berufszulassung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Der zweite, dreisemestrige Studienabschnitt bildet ein klassisches Studium, das den Abschluss „Bachelor of Arts“ anstrebt.

Akademiker gefragter denn je

Die deutsche Gesundheitswirtschaft und der Pflegesektor benötigen in der Zukunft exzellent ausgebildete Akademiker, die der Komplexität der Branche gewachsen sind und entsprechende Managementkompetenzen mitbringen. Der Bedarf ist riesig. Schätzungen zufolge müsste in zehn Jahren jeder vierte Schulabgänger einen Pflegeberuf ergreifen, um dem großen Bedarf gerecht zu werden. Die Hochschulen haben diesen Bedarf erkannt. So bietet eine wachsende Zahl von Bildungsträgern, wie die Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf künftig den Abschluss „Bachelor of Arts (B.A.) "Pflegemanagement und Organisationswissen" an. Die Zugangsvoraussetzungen kommen auch denen entgegen, die den Weg über die Praxis gesucht haben. So können auch beruflich qualifizierte Bewerber ohne Hochschulzugangsberechtigung gemäß Berufsbildungshochschulzugangsverordnung vom 8. März 2010 den neuen Ausbildungsweg wählen.

Studium

Eine professionelle Pflege wird in der Zukunft ohne ausgezeichneten akademischen Nachwuchs nicht auskommen.

Pflege

Pflegenot in Deutschland: Bereits heute fehlen über 50.000 Fachkräfte in der Pflege.




Zurück zum Inhaltsverzeichnis